06.09.02

Motivationsschub für junge Migranten

Regionales Projekt soll die Bereitschaft zur Ausbildung erhöhen / Landsleute als Vermittler in Schulen und Vereinen. Das deutsche Bildungssystem benachteiligt junge Ausländer. Ein von der EU unterstütztes regionales Projekt soll die Chancengleichheit fördern, Arbeitgeber, Lehrer, Schüler und Eltern sensibilisieren

Die Zahlen sprechen für sich: Rund 3500 Jugendliche unter 25 Jahren waren zu Beginn des vergangenen Jahres in Frankfurt, Offenbach, den Landkreisen Main-Taunus und Offenbach arbeitslos gemeldet. Rund 40 Prozent davon hatten keinen deutschen Pass. "Wahrscheinlich haben sogar 60 bis 70 Prozent einen Migrationshintergrund", vermutete ein Vertreter der Stadt Dietzenbach bei einer Diskussion zum Auftakt des Projekts von Equal-Mare und dem Verein CGIL-Bildungswerk. Ziel ist es, die Ausbildungsbereitschaft zu erhöhen. Gut integrierte Migranten sollen als Multiplikator/innen dienen. Denn die althergebrachten Programme erreichen nicht alle jungen Migranten wie Vertreter von Schulen, Arbeitsamt und Kommunen einräumten.

Sprachdefizite und kulturelle Barrieren verschlechtern die Zukunftschancen junger Migranten. Wer schlecht Deutsch spricht, kann dem Unterricht in der Schule nicht folgen. Väter und Mütter, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, können ihren Kindern bei der Suche nach einem Beruf wenig helfen. "Ausländische Eltern begleiten selten ihre Kinder in die Berufsberatung", stellte Helge Völker, Berufsberater im Arbeitsamt Frankfurt, fest. Oft sind sie auch überfordert, so die Erfahrung von Maurella Carbone, Lehrerin für muttersprachlichen Unterricht im Kreis Offenbach. Wer berufstätig ist, habe tagsüber keine Zeit. Hinzu kämen Missverständnisse auf Grund von Informationsdefiziten. Ausländische Väter und Mütter hätten oft das Gefühl, dass Lehrer über ihre Köpfe hinweg entscheiden.

Die Elternarbeit ist denn auch ein Schwerpunkt des auf zweieinhalb Jahre angelegten Förderprogramms, das 16 Institutionen aus den beiden Großstädten und Landkreisen vernetzt. Nach Auffassung von Projektleiterin Vicky Pompizzi fehlt zum Beispiel das Wissen um das duale Bildungssystem. Den Jugendlichen sollen gute und schlechte Vorbilder verdeutlichen, dass sich Ausbildung lohnt.

Auch die Vermittlung von Paten und Begleitung bei Betriebspraktika gehören zum Konzept. Betreuung soll nicht von oben herab erfolgen, betonte Pompizzi. "Die jungen Leute sollen sich selbst auf die Socken machen." Geht das Konzept auf, werden für den notwendigen Motivationsschub von Equal-Mare geschulte Migranten sorgen. Sie sollen in ausländischen Vereinen informieren, in Schulen oder Jugendeinrichtungen. Dabei geht es auch darum, dass sie den Sinn guter Schulbildung erkennen. Peter Ingo Mees von der IHK Frankfurt: "Frankfurt ist keine Arbeiterstadt, und deshalb haben wir keinen Bedarf an Hauptschülern."

 

(Frankfurter Rundschau - Jutta Rippegather)