Besser auf den Beruf vorbereiten


Datum:07.11.2007
Zeitung:Frankfurter Neue Presse Ausgabe Süd

Kreis Offenbach.

Die Industrie- und Handelskammer Offenbach (IHK) ist mit der Akquirierung neuer Lehrstellen ein gutes Stück weiter gekommen. Doch was nützt dies, wenn es dafür keine geeigneten Bewerber gibt. „Die möglichst frühzeitige Vorbereitung der Schüler auf die richtige Berufswahl und auf die Ausbildung in unseren Unternehmen ist zur wichtigen Aufgabe für uns alle geworden“, bekannte IHK-Präsident Ingo Mayer. Um diese Aufgabe zu bewältigen hat die IHK jetzt die Agentur für Arbeit, Stadt und Kreis Offenbach, CGIL-Bildungswerk und natürlich das Staatliche Schulamt mit ins Boot geholt.

 

Als zusätzlichen Anreiz für die Schulen, ihre Lehrer und Schüler besser auf das Berufsleben vorzubereiten und deren Wirtschaftswissen zu verbessern, hat die IHK einen Schulpreis ausgelobt. Private und öffentliche Schulen können sich zu Beginn der Schuljahre 2008, 2009 und 2010 bewerben, indem sie beschreiben, welche Projekte sie verwirklicht haben. Dazu zählen etwa Fachvorträge von Unternehmensvertretern, Praktika der Schüler, Betriebspraktika der Lehrer, Bewerbungstraining bei den Wirtschaftsjunioren und Teilnahme an Arbeitskreisen Schule-Wirtschaft. Der erste erhält 5000 Euro, der zweite 3000 Euro und der dritte 2000 Euro.

 

Das Geld kann für Projekte im Sinne der Zielsetzung des Preises, aber auch für die Ausstattung der Schule oder die Weiterbildung von Lehrern in unterrichtsfreien Zeiten ausgegeben werden. Denn noch, so Mayer liegt vieles im Argen, versucht sich ein Viertel aller Schüler auf die zehn stärksten Berufe zu bewerben und sei die Vielfalt der Berufsangebote nicht bekannt. Zudem würden die Lehrkräfte mangels fundierter Kenntnisse des Ausbildungsmarktes falsch beraten oder vorschnell den Besuch weiterführender Schulen empfehlen.

 

Franco Marincola vom CGIL-Bildungswerk erläuterte, dass die Koordinationsstelle Jumina (Junge Menschen in Ausbildung) dafür sorgen soll, dass die zusätzlichen Angebote zur vertiefenden Berufsorientierung den Regelunterricht sinnvoll ergänzen. Zwei Lehrer hat das staatliche Schulamt bereits für die Koordinationsstelle abgestellt, berichtete dessen stellvertretender Leiter, Peter Bieniussa. Sie wollen den Schülern Mut zur Ausbildung machen.

 

Das Jumina-Projekt wurde ursprünglich zur Förderung der ausländischen Jugendlichen entwickelt. Inzwischen sind alle weiterführenden Schulen daran beteiligt. 500 Schüler sind darin involviert, bis 2009 sollen es 2000 sein. Es gelte als bundesweites Vorbild, habe hohe Akzeptanz bei den Jugendlichen, betonte Marincola.


Birgit Simon, Sozialdezernentin der Stadt Offenbach, nannte die Hauptaufgabe des Projektes das Übergangsmanagement: „Es darf nicht sein, dass Jugendliche nach der Schule auf der Straße stehen oder in einer Warteschleife landen.“ Wichtig sei es dabei auch, die Eltern und Lehrer mit ins Boot zu nehmen. Mit der Berufsvorbereitung sollte schon in der 7. Klasse begonnen werden, sagte die Grünen-Politikerin. (fho)