Hilfe für Einstieg in Beruf bald auf breiterer Basis


Datum:07.11.2007
Zeitung:Offenbach Post - online

Offenbach (mic) - Das Abgangszeugnis in der Tasche, aber keinen Plan im Kopf?

 

Das Problem vieler Jugendlicher, nach Beendigung der Schule null Schimmer zu haben, welchen Berufsweg sie einschlagen sollen, wird sich in Zukunft für 2 000 junge Leute in Stadt und Kreis Offenbach womöglich nicht mehr so scharf stellen.

 

Das Projekt "Junge Menschen in Ausbildung" (Jumina I.), das seit rund zwei Jahren von Stadt und Schulamt praktiziert wird, ist auf eine breitere Basis gestellt worden. Ausgestattet bis 2009 mit einem Etat von 1,2 Millionen Euro (bisher waren es 500 000 Euro für 500 Schüler) kümmern sich seit 1. November zusätzlich die Arbeitsagentur, der Kreis Offenbach, die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie zahlreiche Unternehmen um eine bessere Vorbereitung der Jugendlichen auf den Beruf. Außerdem lobt die IHK einen mit insgesamt 30 000 Euro dotierten Preis für Schulen aus, die sich besonders auf diesem Gebiet anstrengen.

 

"Ziel von Jumina II. ist es, mehr Koordination, mehr Transparenz in die vorhandenen Angebote zu bringen, die Hilfen zu bündeln und Parallelstrukturen zu verhindern", sagte der Koordinator Franco Marincola vom CGIL-Bildungswerk gestern bei der Vorstellung des Projekts. Er sprach von großer Akzeptanz und Interesse auf Seiten der Jugendlichen. "Jumina II" umfasst die bisher besonders betreuten Schulen. Weitere werden nach seinen Angaben demnächst ausgewählt.

 

Profitieren sollen die Schüler von zwölf (bisher acht) Förder-, Haupt-, Real- und Berufsschulen in der Stadt Offenbach und im Kreisgebiet. Acht speziell ausgebildete und ausschließlich für Jumina eingesetzte Lehrer organisieren in den Schulen Seminare, Trainingseinheiten, Betriebsbesuche und Vorträge von Unternehmensvertretern in den Klassen, betreuen Lernprojekte, halten Kontakt mit den Eltern und den lokalen Betrieben - einzig mit dem Ziel, das "Übergangsmanagement" zwischen Schule und Beruf zu verbessern.

 

Die Zielgruppe wird ebenfalls größer: Standen junge Leute mit Migrationshintergrund bisher im Vordergrund, sollen ab sofort alle Schüler miteinbezogen werden. Hier, so unterstrich Ingo Mayer, Präsident der IHK, werde man sich besonders um Kinder aus sozial schwachen Familien kümmern.

 

"Unsere Ziele sind der möglichst nahtlose Einstieg der Jugendlichen in eine reguläre Ausbildung, die frühe Berufsorientierung, die Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit, das bessere Erkennen von Fähigkeiten und die Erleichterung der Berufswahl", sagt Marincola. Die IHK verstärkt das Informationsangebot um über 170 Vorträge.

 

Mayer mahnte zu mehr Anstrengungen in Sachen Bildungschancen. "Chancengleichheit hat nichts mit Geld und alles mit Bildung zu tun. Wir versäumen es noch immer, möglichst vielen Kindern das Bestmögliche an Bildungschancen zu verschaffen." Jumina bekämpfe zudem eines der Hauptprobleme: die häufig mangelnde Kenntnis über Berufe, Unternehmen und Ausbildung.

Landrat Peter Walter (CDU) und Offenbachs Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne) lobten als "Mitträger" das Projekt. Simon forderte eine zusätzliche Erfolgskontrolle und wies darauf hin, dass speziell die Eltern mit ins Boot geholt werden müssten. Walter versprach, dass der Kreis seine Erfahrungen einbringen werde. Hier praktiziere man an zwei Dritteln der Haupt- und Realschulen ein ähnliches Angebot.

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