Informationsbroker

Bilinguale Qualifizierungsmaßnahme

Projektstart: 01.08.2001
Projektende: 03.03.2002



CGIL-Bildungswerk e.V. und Arbeit und Leben DGB/VHS haben die bilinguale Qualifizierungsmaßnahme zum Internet Broker für italienische Teilnehmer/-innen erfolgreich abgeschlossen. Von 12 Kursteilnehmer/-innen können 11 das Zertifikat nun in ihren Bewerbungsmappen vorlegen.

Erfreulicherweise war über die Hälfte der Plätze von Frauen belegt worden. Die Weiterbildung umfaßte 200 Unterrichtsstunden in den Bereichen „Grundlagen der Informatik und der EDV-Systeme“ „Browser-Typen und Internet-Recherchen“, „Gestaltung einer Webseite“ und „Rechtliche Aspekte“.

Anläßlich der feierlichen Übergabe der Zertifikate betonte Franco Marincola, Vorsitzender von CGIL-Bildungswerk e.V., die Wichtigkeit der beruflichen Weiterbildung italienischer Arbeitnehmer/-innen und hier besonders die der Arbeitsuchenden. Erfolgversprechend seien im Besonderen solche Maßnahmen, die die Zwei- und Mehrsprachigkeit bzw. Interkulturalität als Ressource und entscheidendes Moment als Konzeptbestandteil aufnehmen, im Unterricht als Basis nutzen und weiterformen. In diesem Sinne führe das CGIL-Bildungswerk bundesweit Kurse durch, die italienische Arbeitssuchende bzw. Arbeitnehmer/-innen auf den Arbeitsmarkt vorbereiten und gleichzeitig den bilingualen Vorsprung als lohnende Qualifizierung für eine adäquate Einsatzmöglichkeit ausbaut.

Der CGIL-Vorsitzende berichtete weiter, daß nunmehr die nächste Integrationsmaßnahme in Planung sei. CGIL-Bildungswerk werde den Berufsbildenden Kurs zum/zur binational (Italien/Deutschland) qualifizierten Kaufmännischen Angestellten mit Zusatzausbildung in EDV und Internet auch in Hamburg anbieten und ist bereits u.a. mit dem örtlichen Arbeitsamt im Gespräch, um Finanz- und Kooperationspartner zu finden.

Der Kurs werde laut Franco Marincola voraussichtlich auf ein Schuljahr ausgelegt sein, wobei die letzten drei Monate für ein Praktikum, möglichst in einem italienischen Unternehmen, vorgesehen sind. Als Fachunterricht erfolge die kaufmännische Grundausbildung, die EDV- und Internetschulung sowie die Vermittlung bzw. Vertiefung binationaler sprachlicher und kultureller Fertigkeiten. Selbstverständlich finde die Vertiefung der Sprachkompetenzen in Deutsch und Italienisch statt.

Franco Marincola ist sich sicher, daß der Arbeitsmarkt bilingual geschulte kaufmännische Fachkräfte brauche und somit ein Beitrag zur Verringerung der hohen Arbeitslosenzahlen geleistet werde.

Formazione professionale bilingue
con prospettive europee

Internet-Broker – ein europäisches Weiterbildungsangebot in Hamburg

Am 30. Januar 2002 wurden im Italienischen Kulturinstitut in Hamburg den 14 Teilnehmern, die an der deutsch-italienischen Weiterbildung zum Internet-Broker teilgenommen hatten, die Abschlusszertifikate verliehen. Von offizieller Seite waren anwesend:

Franco Marincola, vom italienischen CGIL-Bildungswerk aus Frankfurt, das in Kooperation mit dem deutschen Bildungswerk Arbeit und Leben DGB/ VHS Hamburg e.V. die Weiterbildung in Hamburg organisiert und durchgeführt hatte; der italienische Generalkonsul Dr. Antonio Cardella; die Ausländerbeauftrage des Hamburger Senats, Prof. Dr. Ursula Neumann; Horst H. Hopmann, der Vorsitzende von Arbeit und Leben e.V., sowie verschiedene Vertreter aus Politik und Gesellschaft.

Bei der Verleihung der Diplome unterstrich der italienische Generalkonsul, daß das neu erworbene Fachwissen der überwiegend italienischstämmigen Absolventengruppe „neue berufliche Perspektiven und daher Möglichkeiten zur Konsolidierung bzw. Verbesserung der eigenen beruflichen Situation bieten kann“. Daß die Verleihung der Diplome im Italienischen Kulturinstitut und nicht im Italienischen Generalkonsulat statt fand, war der Tatsache geschuldet, daß das Institut „nicht nur eine soziale Funktion, sondern untrennbar damit verbunden eine kulturelle Funktion, speziell hinsichtlich der sozialen und kulturellen Annäherung der italienischen und deutschen Gemeinde hat“.

Die Ausländerbeauftragte, Frau Prof. Dr. Neumann, übermittelte ihre herzlichsten Glückwünsche an die Absolventen mit folgenden Worten: „Sie haben sich für Europa qualifiziert, und dazu gratuliere ich Ihnen“. Nach einem Vortrag über das Thema „bilinguale berufliche Bildung mit europäischen Perspektiven“ als großer Chance vor allem für die in Deutschland lebenden Italiener führte sie aus: „... Wir wissen heute immer noch nicht, warum ausgerechnet die italienischen Schüler geringe Bildungserfolge in Deutschland erzielen und häufig nach der Schule in wenigen und noch dazu schlecht bezahlten Dienstleistungs-Berufen, wie zum Beispiel in der Gastronomie, arbeiten müssen.“

Franco Marincola vom italienischen CGIL-Bildungswerk beschrieb anschließend die Inhalte der Fortbildung näher: „... Der zweisprachig durchgeführte Kurs zum Internet-Broker umfaßt 200 Unterrichtsstunden. Er hat zum Ziel, sowohl diejenigen beruflich weiterzubilden, die im Moment arbeitslos sind als auch jene, die in einem anderen Bereich arbeiten. Zu Beginn werden Grundkenntnisse der Informatik und zu Windows vermittelt. In der zweiten Phase lernen die Teilnehmer verschiedene Browser-Typen kennen, um im Internet zu recherchieren, was relativ einfach und intuitiv gelernt werden kann. Danach folgt die kreative Phase des Kurses, in der nicht nur Recherchen durchgeführt werden, sondern Webseiten gestaltet werden. Dies geschieht durch die Programmiersprache HTML, die sicherlich nicht für alle einfach zu erlernen ist, sowie durch den Gebrauch von Werkzeugen wie dem Programm FrontPage. Schließlich werden die rechtlichen Aspekte, die das Internet betreffen, behandelt. Der Kurs endet mit einer über zwei Tage dauernden Prüfung vor einer Kommission von Experten. Wir können sehr zufrieden damit sein, daß wir von den 20 Teilnehmern zu Beginn des Kurses nun an 14 Teilnehmer Diplome verleihen können, die offiziell vom italienischen Staat anerkannt sind“.

Cristiano Merlo, ein Absolvent des ersten in Hamburg durchgeführten Kurses, beschrieb die beruflichen Möglichkeiten, die sich für ihn durch den Kurs ergeben haben: „Nach Abschluss der Weiterbildung zum Internet-Broker fand ich eine Festanstellung in einer Hamburger Internet-Firma, wo ich zunächst mit der Betreuung der italienischen Kunden betraut war. Später hat mich die Firma beauftragt, mit einigen anderen Kollegen eine Filiale in Italien zu eröffnen. Nun sind wir in Mailand, haben uns weiter vergrößert, beschäftigen vier Festangestellte und einige Freiberufler und werden sehen, wie alles sich weiter entwickelt. Dieser Kurs hat uns sehr geholfen und uns viele Perspektiven eröffnet.“

Valerio, einer der letzten Absolventen, hat uns zum Schluß über ähnliche Erfahrungen wie Cristiano Merlo berichtet: „Seit dem 2. Januar habe ich eine Festanstellung in einer der größten Internet-Firmen Hamburgs, die auch an der Börse notiert ist. Ich bin als Web Producer tätig, erstelle also Webseiten für Kunden. Dabei handelt es sich um HTML-Programmierung, wie wir sie in der Weiterbildung gelernt haben. Jetzt lerne ich noch Intershop Infinity, ein Programm zur Unterstützung des e-Commerce, das relativ schwierig ist, und im März werde ich einen Kurs in Java-Script belegen, so daß ich relativ komplexe Programmierungen durchführen kann. Um jedoch ganz unabhängig von externer Hilfe arbeiten zu können, benötige ich noch circa zwei Jahre.“

Wird diese erfolgreiche Weiterbildung zukünftig fortgesetzt? Geplant ist es natürlich, jedoch steht ihre Finanzierung nicht mehr auf soliden Fundament wie die vorherigen Kurse. Bisher war die Finanzierung durch das italienische Arbeitsministerium garantiert, das die Kurse zu 25% selbst förderte und die restlichen 75% durch den Europäischen Sozialfonds abdeckte. Diese 75% sind nun nicht mehr verfügbar, da diese Gelder in Europa nun nur noch regional ausgeschüttet werden. Woher sollen also die Gelder für eine zukünftige Berufsausbildung für Italiener im Ausland genommen werden? Diese Frage wird hoffentlich bald ihre Antwort finden, denn für die Vergabe von diesen europäischen Geldern ist nun die Stadt Hamburg zuständig.

Falls Sie noch weitere Fragen haben sollten, können Sie uns ebenfalls telefonisch oder per E-Mail kontaktieren um sich über ein laufendes Projekte zu informieren.